Gerry Weichselbaum

Wiener Dialekt t.2

Die Wiener Mundart ist sehr kreativ, blumig und erfindungsreich – aber für Menschen, die nicht hier geboren sind, oft schwer zu verstehen. Darum stellen wir Ihnen die gebräuchlichsten und interessantesten Dialekt-Ausdrücke und Redewendungen vor.

Dieses kleine Wörterbuch des Wienerischen wird laufend ergänzt. Sollte Ihnen im Alltag ein “weanerischer” Begriff unterkommen, mit dem Sie nichts anfangen können – schicken Sie uns Ihre Anfrage, wir werden gerne versuchen, sie zu beantworten.

 

Am Würstelstand:

Eitrige – Käsekrainer: spezielle Wurst aus Schweinefleisch mit 10 – 20% Käse-Anteil. Der dickflüssig austretende Käse erinnert an Eiter.

Haaße – (heiße) Burenwurst, auch Burenheidl oder Klobasse genannt, ist eine grobe, pikant gewürzte Brühwurst.

Bugl – das Schlussstück eines Brotweckens, auch “Scherzl” genannt. Aufrund seiner Krümmung erinnert es an einen Buckel.

Gschissener – scherzhafter Ausdruck für süßen Senf.

Krokodü – Essiggurkerl: die leicht gerippte, grüne Oberfläche erinnert an ein Krokodil.

Oaschpfeiferl – scharfer Pfefferoni (brennt doppelt)

16er Blech – eine Dose Ottakringer Bier. Die Brauerei befindet sich im 16. Bezirk, das Blech steht für Dose.

Hüsn – steht für eine Dose Bier (eine Hülse). Manchmal auch scherzhaft “Aluweckerl” genannt.

 

Schimpfworte:

Blade Blunzn – wörtlich: Dicke Blutwurst. In Wien gebräuchlich für übergewichtige Damen.

Einedrahra – Angeber, Wichtigtuer.

Gfrast – bösartiger Mensch.

Oaschgräuler – ein Arschkriecher (gräuln = kriechen).

Obezahrer – einer, der sich von der Arbeit drückt. Fauler Mensch.

Schwindlicha – Wienerischer Ausdruck für einen Idioten (schwindlig im Kopf).

Kiberer – Umgangssprachlich für Polizist, Kiberei = Polizei. Auch Spinaterer genannt (früher grün wie Spinat uniformiert).

Strizzi – Zuhälter, kleiner Ganove, Schwindler (vom tschechischen stryc für Onkel).

Beidl – Nichtsnutz, Tunichtgut (von Beutel = Hodensack).

 

Redewendungen:

Hin in der Marün – steht für “kaputt im Kopf”, dumm. Marün = Marille (Aprikose)

A Packl Hausdetschn gebn – Ohrfeige geben

A Bretzn reißn – sterben

A fades Aug haben – übernächtig sein (z.b. nach einem Trinkgelage)

A gmahte Wiesn – leicht bewältigbare Aufgabe (gemähte Wiese)

am Zaga gehn – auf die Nerven gehen

an Hund einedrahn – einen Fehler machen

fett wia a blunzn – schwer betrunken

krochen wia a kaisersemmel – schwer verschuldet sein

sich über die häusa haun – einen Abgang machen, verschwinden

sich in die hapfn haun – ins Bett gehen, schlafen gehen

 

Lesen Sie auch “wienerisch” übers Geld:  “Wiener Dialekt”

oder über das Essen: Wienerisch Teil 4


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